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Interessante Einblicke in Pilotprojekte

Solarverein Marbach Verein hat das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg besucht.

Marbach Interessierte Mitglieder des Solarvereins Marbach folgten der Einladung des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung (ZSW) in Stuttgart-Vaihingen. Führende Wissenschaftler des Instituts boten den Besuchern bei ihren Vorträgen und Führungen interessante Einblicke in aktuelle Pilot- und Forschungsprojekte. Das ZSW ist mit seinen rund 185 Mitarbeitern eines der weltweit führenden Forschungsinstitute auf dem Gebiet der Sonnenenergie- und Wasserstofftechnik. Die Arbeit des Instituts konzentriert sich derzeit auf die Themen photovoltaische Materialforschung und Systemtechnik, Energiespeicherung in Batterien und Superkondensatoren, Brennstoffe/Wasserstoff und Brennstoffzellen. Die Forschungseinrichtung wurde 1988 als gemeinnützige Stiftung gegründet und wird vom Land Baden-Württemberg, verschiedenen Institutionen und Unternehmen sowie Mitgliedern aus Wissenschaft und Wirtschaft unterstützt. Sie stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen der Grundlagenforschung und der Industrie dar und begleitet Projekte von der Umsetzung innovativer Energietechnologien in konkrete Anwendungssituationen bis zu strategischen Studien über Energiesysteme und ihre Entwicklungsperspektiven.

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland ist seit 2001 von 6,7% auf über 20% 2011 gestiegen, so Dr. Peter Bickel in seinem Vortrag „Auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien“. Und während heute bereits jede sechste Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, soll es 2020 bereits mehr als jede dritte sein. Daraus ergeben sich erhebliche Herausforderungen für den Stromsektor: Stromnetze müssen ausgebaut, Kraftwerke im konventionellen Bereich besser  geregelt, ein Management der regenerativen Erzeugung muss aufgebaut und die Speichertechnologien weiter entwickelt werden. Und nicht zuletzt, so Dr. Peter Bickel, müssten alle Maßnahmenbereiche gut aufeinander abgestimmt sein, damit ein optimales Funktionieren gewährleistet ist.

Werner Westhauser vom Solarverein Marbach bedankte sich für den sehr interessanten Vortrag und stellte fest, dass die Ausführungen eindrucksvoll die noch zu lösenden Aufgaben der geplanten Energiewende in Deutschland dargestellt hätten.

Welche Rolle die Photovoltaik bei der Energiewende einnimmt, führten Dipl.-Ing. Dieter Geyer und Frau Dr. Wiltraud Wischmann in ihren Vorträgen aus. Im Mix der Erneuerbaren Energiequellen aus Geothermie, Biomasse, Biokraftstoffe, Wasser-, Wind- und Sonnenkraft, biete die Photovoltaik im Vergleich zu allen anderen Quellen ein grenzenloses Energiepotential. Es verwundert daher nicht, dass am Institut umfangreich geforscht wird, wie der Wirkungsgrad der Solarmodule weiter gesteigert und dabei gleichzeitig die Kosten gesenkt werden können, ohne dass die Langlebigkeit der Module darunter leidet.

Mit dem sprunghaften Anstieg der Installation von PV-Anlagen nahmen die EEG-Vergütungszahlungen deutlich zu. In den letzten Monaten ist deshalb eine neue Diskussion darüber entstanden, ob die Höhe der Förderung der Photovoltaik angemessen ist, was seit dem 1. April zu einer deutlichen Absendung der Vergütung durch den Gesetzgeber geführt hat. In dieser Debatte, so das ZSW, werde allerdings allzu oft der volkswirtschaftliche und ökologische Nutzen vergessen, den der Ausbau der erneuerbaren Energien mit sich bringt. Allein 2009 wurden knapp 17 Mrd. Euro in den Ausbau von Anlagen investiert und 2009 zählte die Branche fast 340.000 Beschäftigte vorwiegend im Bereich der stromerzeugenden Systeme. Gerade die Photovoltaik trage in besonderem Maße zu einem dämpfenden Einfluss auf den Preis an der Strombörse bei. Ebenfalls nicht zu vergessen sei der ökologische Nutzen: Ohne die erneuerbare Energien seien die Co2-Emissionen rund 14% höher als tatsächlich gewesen. Und schließlich konnten 2009 Energieimporte im Wert von rund 5,7 Mrd. Euro vermieden werden.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war für alle Besucher die Besichtigung der Forschunganlage „Power to Gas“. Ausgerechnet das als Klimakiller geächtete Co2 könnte bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Umgewandelt in Methan soll es zur Speicherung von Energie aus Solar- und Windparks beitragen, die nicht sofort gebraucht wird. Vorteil wäre, dass man Methan vollständig und direkt in das Erdgasnetz speisen, an Haushalte verteilen, in den Autotank füllen oder in Gaskraftwerken verfeuern könnte. Das Erdgasnetz selbst bietet bei dieser Technologie eine große Speicherkapazität.

Der Besuch beim ZSW war nach der Besichtigung der VARTA Microbattery in Ellwangen Ende letzten Jahres bereits die zweite Veranstaltung, die interessante Einblicke in Forschung und Entwicklung im Bereich der Erneuerbare Energien bot. Wer zukünftig die Veranstaltungen des Solarverein Marbach am Neckar als Gast begleiten oder Mitglied werden möchte, kann sich an Werner Westhauser, Telefon 07144/102-237 wenden oder am Solarstammtisch des Vereins am 16.5.2012 um 19 Uhr in der FC-Klause in Marbach teilnehmen.

Susanne Roppelt, Solarverein

© 2012 MARBACHER ZEITUNG, 27.04.2012



Stromspeicher als Baustein für Energiezukunft

Solarverein Marbach Mitglieder des Solarvereins haben sich bei Varta über den Stand der Entwicklung von Batterien informiert.

Marbach/Ellwangen Deutschland führt weltweit beim Ausbau der Fotovoltaik. Im Jahr 2011 wurden in der Bundesrepublik Solarmodule mit einer Anschlussleistung von fast sieben Atomkraftwerken installiert. Weil aber Solarstrom, ebenso wie Windstrom, nicht jederzeit verfügbar ist, kommt der Entwicklung von Energiespeichern und ihrer Einbindung in intelligente Netze jetzt eine herausragende Bedeutung für die Energiewende zu. Geeignete Systemtechniken könnten Deutschland den Spitzenplatz sichern, der im Moment bei der Fotovoltaik verloren zu gehen droht, weil die Weltmarktpreise für Solarmodule dramatisch fallen.

Zehn Mitglieder des Solarvereins Marbach informierten sich Ende letzten Jahres bei einem der führenden Batteriehersteller, Varta in Ellwangen, über den Stand der Entwicklung von dezentralen Stromspeichern. Solche Speicher, die elektrische Energie für einige Stunden bis zu wenigen Tagen speichern können, sind in naher Zukunft vor allem für Betreiber privater Fotovoltaikanlagen interessant. Damit kann eigener Sonnenstrom auch nachts und an trüben Tagen genutzt werden. Hierfür gibt es attraktive gesetzliche Vergütungen.

Mittelfristig kann man damit rechnen, dass die Verbrauchs- und die Einspeisepreise über den Tag hinweg variabel sein werden, je nach dem augenblicklichen Angebot und der Nachfrage. Eigene Stromspeicher helfen dann, den Bezug von teurem Spitzenstrom zu vermeiden oder überschüssige Energie zu einem guten Preis selbst ins Netz einzuspeisen. Solche lokalen Ausgleichsmechanismen mindern den Bedarf an teuren und unschönen Überland-Stromleitungen, und sie machen die Stromnetze stabiler.

Varta in Ellwangen, bisher eher als Lieferant kleinster Batterien bekannt, hat in Modellprojekten bereits geeignete Speicher für Fotovoltaikanlagen vorgestellt. Ein Speichermodul hat etwa die Größe eines Gefrierschrankes, kann rund zehn Kilowattstunden speichern und hat zurzeit eine Lebensdauer von etwa acht Jahren. Zwanzig Jahre Haltbarkeit sind das mittelfristige Entwicklungsziel. Die Kosten für ein solches System sind noch sehr hoch, man kann aber bei der Preisentwicklung von Solarmodulen sehr gut sehen, wie drastisch Massenfertigung die Kosten senkt.

Das Vortragsgebäude von Varta wird heute vollständig von einer Solaranlage mit 7,5 Kilowatt Spitzenleistung und drei Speichermodulen elektrisch versorgt. Es wird nicht allzu lange dauern, bis solche Modelle sich auch wirtschaftlich rechnen. Der Solarverein Marbach beobachtet die Entwicklung sorgfältig.

Hans M. Gündner, Solarverein

© 2012 MARBACHER ZEITUNG, 20.01.2012